Archiv für den Tag: 30. März 2011

Leipziger Allerlei – Teil 3

Schleußig Privat 

Der Handzettel lädt zu einer Lesung in die Keramikwerkstatt ‚betont’ und niemand in der Innenstadt  weiß so recht, wie wir dort hinkommen; aber der Taxifahrer verfügt natürlich über ein GPS…die Bundesligaschlusskonferenz im Hintergrund unterhält uns der freundliche Herr mit einem kurzen Lebenslauf und wir freuen uns über seine melodiöse Mundart ebenso wie über den Kontrast zu manch einem Berliner Droschkenfahrer. 

Schleuschsssss…..da sind wir… – aber wo ist die große Keramikwerkstatt?…Gerne auch mit einem Cafe im Sonnenschein….nein, das ist eindeutig ein Wohnhaus…immerhin ein Paar ‚Gäste’ stehen am Tor…Freundlich werden wir begrüßt von der Künstlerin, Marita Helbig. Sie und Ihr Mann haben Ihr Wohnzimmer geöffnet für Freunde und Neugierige wie uns. 

In den Kellerräumen die Keramikwerkstatt betont: Interessieren Sie sich für ganz besondere Rauchkeramik? Hier finden Sie ein ‚Lieblingsstück’. Von der Natur inspiriert und mit Materialien aus der Natur ‚bemustert’ – von großen Gefäßen bis zu sehr individuellen Knöpfen, in Kursen kann man sich einarbeiten lassen.

17:00 Uhr. Im Wohnzimmer warten 20 Sitzgelegenheiten und Freunde der Lyrik auf den Autor Thomas Böhme. Er liest aus seinem Gedichtband ‚Mit der Sanduhr am Gürtel’ soeben neu aufgelegt in der Edition  Wörtersee. Es ist mehr ein Besuch bei Freunden, oder ein Nachmittag in der Tradition der Berliner Salonkultur als ein ‚Event’ der Buchmesse. Gut aufgelegt lässt Thomas Böhme die Wörter fliegen, wählt geschickt immer das richtige Werk aus seiner vorbereiteten Buchpyramide und wird nur unterbrochen von Thomas Ranft mit puristischem Zwischenspiel auf der klassischen Gitarre, fein abgestimmt auf die Auswahl des Gelesenen. Mein Englischlehrer und seine Liebe zu Jack Kerouac kommen mir in den Sinn, bei den Stücken aus den 80zigern, die Abiturzeit. 

Schade, schon 18.20 Uhr, wir müssen zum Bahnhof zurück und so entgeht uns die Einladung zum anschließenden Abendbrot und Gesprächsrunde. Wir hätten noch so viele Fragen gehabt, zu den Texten, zu dem Freundeskreis, zu der Musik, zu unseren unterschiedlichen Lebensläufen…im Zug zurück nach Berlin wird darüber heftig diskutiert, und wir haben ein Glücksgefühl im Bauch von so einem erlebnisreichen Tag. 

Liebe Leser, fahren Sie nach Leipzig, lassen Sie sich ein auf ein außergewöhnliches Erlebnis in einer Stadt, in der wir Gastfreundschaft erlebt haben im wahrsten Sinne des Wortes und so, wie man es in einem Hotel auch erwarten sollte.